Musiktherapie

img_8953Wenn durch Musik die Seele spricht

Neben meiner Tätigkeit als Gitarrenlehrer arbeite ich freiberuflich als Musiktherapeut in einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und in den Göttinger und Gimter Werkstätten, in denen ich mit geistig behinderten Erwachsenen in Gruppen arbeite.

Musiktherapie als Behandlungsform

Schon Hippokrates (ca. 460–375/70 v. Chr.), der berühmte griechische Arzt der Antike, beschäftigte sich mit dem Phänomen der Wirkung von Musik auf die menschliche Psyche. Er erkannte die heilende Kraft der Musik.1 Auch Platon (428 –348 v. Chr.) erkannte deren große Wirkung: „Darum ist die Musik der wichtigste Teil der Erziehung. Rhythmen und Töne dringen am tiefsten in die Seele und erschüttern sie am gewaltigsten.“2
Heute wird Musiktherapie in unterschiedlichen medizinischen, psychotherapeutischen und heilpädagogischen Arbeitsfeldern eingesetzt. Die meisten Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten arbeiten in stationären Einrichtungen (Kliniken), Heimen, Schulen sowie in Beratungsstellen und anderen ambulant versorgenden Institutionen, manche auch in freier Praxis.
Man unterscheidet im Allgemeinen zwischen aktiver Musiktherapie (der Patient ist an der Therapie selbst mit Instrument oder Stimme beteiligt) und rezeptiver Musiktherapie (hier steht das aktive Hören von Musik und das Aufnehmen von Schwingungen im Vordergrund).
Wesentlich in der aktiven Musiktherapie ist die nicht sprachliche Kommunikation in der gemeinsamen musikalischen Improvisation (nicht festgelegtes, freies Spiel). Das kann mit unterschiedlichen Musikinstrumenten geschehen, aber auch mit körpereigenen „Instrumenten“ (Hände, Füße, Stimme). Natürlich besteht auch die Möglichkeit, mit Sprache zu arbeiten, zum Beispiel beim Austausch im Gespräch oder im Texten, Sprechen und Singen von Liedern. Beispielsweise kann, auf die Situation abgestimmt, ein Text singend, oder zum Beispiel im Rollenspiel sprechend, frei improvisiert werden.
Die therapeutische Beziehung nimmt einen hohen Stellenwert innerhalb der psychotherapeutisch orientierten Musiktherapie ein. Im musikalischen Zusammenspiel können emotionale, kognitive, und motorische (bei Gruppenmusiktherapie auch verstärkt soziale) Aspekte der Persönlichkeit der Patientin oder des Patienten widergespiegelt und vorhandene Fähigkeiten verstärkt werden. Auf musikalischer Ebene findet eine Art Probehandeln statt. In diesem geschützten Rahmen können Gefühle und Empfindungen wie auch neue Verhaltensweisen erlebt werden, um sie im günstigsten Fall als Erfahrungsmodell hilfreich mit in den Alltag hinüber zu nehmen. Die Auswahl der Instrumente kann stellvertretend sein für bestimmte Gefühle und Empfindungen, Personen oder Situationen. Die Beherrschung eines Instrumentes ist aber keine Voraussetzung.
Intuition und Spontaneität spielen in der musiktherapeutischen Behandlung eine erhebliche Rolle.

(1) http://www.hom.shuttle.de/hom/spg/roep-062.htm
(2) http://www.lerntippsammlung.de/Platon–ue-ber-die-Musik.html

Autor: Mathias Elsner-Heyden

www.musiktherapie.de